Jetzt verkaufen oder bis zum Frühjahr warten?

Stand: Oktober 2026

Ab Oktober wird es für Verkäufer unangenehm. Die Anfragen werden weniger, die Angebote niedriger, und wer trotzdem verkauft, nimmt den Winterrabatt mit. Die Frage ist also berechtigt: Lohnt es sich, das Rad noch ein halbes Jahr stehen zu lassen? Die Antwort lautet meistens ja – aber sie hängt an einer Bedingung, die vielen nicht bewusst ist.

Warum der Winter zehn bis fünfzehn Prozent kostet

E-Bikes sind ein Saisongeschäft, und zwar ein ausgeprägtes. Wer im März oder April ein Rad sucht, hat die Saison vor sich und ist bereit, dafür zu zahlen. Wer im November sucht, kauft ein Gerät, das erst in vier Monaten gebraucht wird – und verhandelt entsprechend.

Für dich als Verkäufer bedeutet das zwei Dinge gleichzeitig, und beide ziehen in die gleiche Richtung: Es melden sich weniger Interessenten, und die, die sich melden, bieten weniger. Zwischen Oktober und Februar liegen die erzielten Preise typischerweise zehn bis fünfzehn Prozent unter dem Frühjahrsniveau.

Die Gegenrechnung: Warten kostet auch

Nur ist Warten nicht kostenlos. Ein E-Bike verliert kontinuierlich an Wert, ob es gefahren wird oder im Keller steht. In den ersten Jahren besonders schnell, später langsamer. Ein halbes Jahr Alter kostet je nach Alter des Rads zwischen sieben und elf Prozent vom aktuellen Wert.

Die ehrliche Rechnung besteht also darin, beides gegeneinanderzustellen: den Saisongewinn von rund fünfzehn Prozent gegen den Alterswertverlust von sieben bis elf Prozent. Hier ist das Ergebnis für ein Rad, das neu 3.000 Euro gekostet hat.

Verkauf im Oktober gegen Verkauf im April
Alter heuteOktoberAprilUnterschied
2 Jahre1.404 €1.481 €+ 77 €
3 Jahre1.134 €1.213 €+ 79 €
4 Jahre945 €1.008 €+ 63 €
5 Jahre783 €851 €+ 68 €

Modellwerte für ein gepflegtes Pedelec mit üblicher Laufleistung, 3.000 € Neupreis. Enthalten sind der Alterswertverlust über sechs Monate und der Saisonunterschied zwischen Winter und Frühjahr.

Warten lohnt sich also – aber in der Größenordnung von etwa 70 Euro, nicht in der Größenordnung von 300. Bei einem Rad mit 5.000 Euro Neupreis sind es rund 110 bis 130 Euro. Das ist Geld, aber es ist kein Betrag, für den man ein Rad sechs Monate ungenutzt im Keller stehen lässt, wenn man es eigentlich loswerden will.

Interessant ist die Zeile mit den fünf Jahren: Absolut ist der Vorteil dort am kleinsten, prozentual am größten. Je älter das Rad, desto flacher die Alterskurve – und desto stärker wirkt die Saison. Bei einem sechs oder sieben Jahre alten Rad ist Warten rechnerisch am sinnvollsten.

Die Bedingung, an der alles hängt

Die Rechnung oben gilt nur, wenn das Rad im April in demselben Zustand ist wie heute. Beim Rahmen ist das selbstverständlich. Beim Akku nicht.

Ein Lithium-Ionen-Akku altert auch dann, wenn er nicht benutzt wird. Wie schnell, entscheidet die Art der Lagerung. Vollgeladen und warm gelagert verliert er deutlich mehr Kapazität als halb geladen und kühl – über einen Winter können daraus mehrere Prozentpunkte Restkapazität werden.

Und hier wird es teuer. Käufer denken in Schwellen, und die wichtigste liegt bei 80 Prozent. Ein Akku mit 84 Prozent Restkapazität gilt als gut. Ein Akku mit 78 Prozent gilt als Posten, bei dem man über einen Ersatzakku nachdenken muss – und der kostet je nach System 300 bis 900 Euro.

Rutscht die Restkapazität über den Winter unter diese Schwelle, kostet dich das im Verkauf schnell zehn Prozent. Bei einem Rad im Wert von 1.200 Euro sind das 120 Euro – mehr, als du durch das Warten gewonnen hast.

So bringst du den Akku über den Winter

Die gute Nachricht: Es kostet nichts, es dauert zehn Minuten, und es ist bei allen gängigen Systemen gleich.

  • Halb laden, nicht vollDer günstigste Ladezustand für die Lagerung liegt bei etwa 50 bis 70 Prozent. Ein vollgeladener Akku altert schneller, ein tiefentleerter kann dauerhaft Schaden nehmen.
  • Abnehmen und mit in die WohnungDer Akku gehört nicht an das Rad in der kalten Garage, sondern ins Haus. Ideal sind 10 bis 15 Grad – kühl, aber zuverlässig frostfrei.
  • Alle sechs bis acht Wochen nachsehenLadezustand prüfen und bei Bedarf wieder auf etwa 60 Prozent bringen. Ein Termin im Handy reicht.
  • Nicht am Ladegerät stehen lassenDauerhaft angesteckt ist die schlechteste Variante – weder für den Akku noch aus Sicherheitsgründen.
  • Restkapazität vorher und nachher notierenDie meisten Systeme zeigen sie im Display oder in der App. Zwei Zahlen mit Datum, und du hast im Frühjahr einen Nachweis, dass der Akku den Winter gut überstanden hat. Das ist ein Verkaufsargument.

Wann du trotzdem jetzt verkaufen solltest

Es gibt Fälle, in denen Warten die falsche Entscheidung ist:

Wenn der Akku ohnehin knapp über der Schwelle liegt. Bei 81 oder 82 Prozent Restkapazität ist das Risiko, im Frühjahr darunter zu liegen, real. Dann verkauf jetzt, mit der guten Zahl im Inserat.

Wenn für dein Modell kein Ersatzakku mehr lieferbar ist. Dieses Risiko wird mit jedem Monat größer, nicht kleiner. Hier arbeitet die Zeit gegen dich.

Wenn das Geld für ein neues Rad gebraucht wird. Siebzig Euro sind kein Grund, eine Saison zu verlieren.

Wenn du das Rad sowieso nicht mehr fährst. Ein ungenutztes Rad kostet Platz, und das Risiko von Diebstahl oder Beschädigung läuft weiter.

Was das für dein Inserat bedeutet

Wer jetzt verkauft, sollte wissen, wie hoch der Winterabschlag bei seinem Rad wirklich ist. Nicht, um ihn zu ignorieren – sondern um ihn einzupreisen, statt ihn sich im Gespräch abhandeln zu lassen. Der Unterschied zwischen einem Verkäufer, der sagt „1.150, das ist der Winterpreis, im Frühjahr wären es 1.230″, und einem, der sagt „1.400, ich bin aber verhandlungsbereit“, sind am Ende mehrere hundert Euro.

Und wer wartet, sollte im Frühjahr neu rechnen. Der Wert, den dein Rad heute hat, ist nicht der Wert, den es im April hat.

Rechne es für dein Rad durch

Der kostenlose Rechner auf der Startseite gibt dir in zehn Sekunden eine Spanne – mit offenem Rechenweg und berücksichtigter Jahreszeit, damit du siehst, wie die Zahl zustande kommt. Wenn du eine belegte Einzelzahl mit dokumentierten Vergleichsverkäufen brauchst, kostet das schriftliche Wertgutachten 39 €.

Wert kostenlos berechnen

Die Zahlen in diesem Text sind Modellwerte zur Orientierung und ersetzen keine Bewertung des einzelnen Rads. Angaben zur Akkulagerung sind allgemeine Empfehlungen – maßgeblich ist die Anleitung deines Herstellers.

Radzeitwert.

Wertgutachten für gebrauchte E-Bikes
Stefan Segbers · Im Rauland 53 · 50127 Bergheim
info@radzeitwert.com

Freier Sachverständiger, nicht öffentlich bestellt und vereidigt. Das Gutachten ermittelt einen Wert und enthält weder Rechts- noch Steuerberatung.